Unsere Stadtperlen

Tokyo in Blau

Im letzten Jahr auf Reisen haben wir viele Städte gesehen, überraschend wenige haben uns gefallen – in einige haben wir uns verliebt. Hier sind sie, in keiner speziellen Reihenfolge.

Sucre, Bolivien
Ganz unerwartet taucht Sucre auf, vom unwirtlichen Altiplano herkommend, nach unbequemen Stunden im Bus. Sofort fühlen wir uns wohl: Hier ist das Klima angenehmer, schon fast warm. Die Häuser sind schön, weiss, gepflegt. Im spanischen Kolonialstil präsentieren sie sich aussen karg, dafür mit einem grossen Innenhof, auf den alle Zimmer münden. So auch in unserer Unterkunft La Dolce Vita. Unser Lieblingscafé Condor serviert vegetarische Leckereien und richtig guten Kaffee. Oben auf dem Hügel geniessen wir den herrlichen Aussichtspunkt, mit Säulengang und vielen Sitzgelegenheiten versehen. Fast schon europäisch mutet diese Perle Boliviens an. Wir verlängern sofort und bleiben eine ganze Woche.

Hanoi, Vietnam
Asiatische Städte sind ja selten schön. Häufig sind sie lebendig, zweckmässig, wuchernd. Hanoi hingegen ist mehr und anders: Die Altstadt ist geprägt von engen Gassen, die mit Bäumen gesäumt sind, so dass die Hitze auch im Sommer einigermassen erträglich ist. Aber wir haben Horrorgeschichten gehört von den vielen Mopeds und den gerissenen Vietnamesen – und werden überrascht: Wir trinken Bier mit Locals und probieren die offerierten Schweinehautsnacks, die Töfflis sind weitaus amüsanter als gefährlich oder nervend, die aus der französischen Kolonialzeit stammenden Häuser sind eine Augenweide. Man isst und trinkt auf der Strasse, auf kleinen Plastikstühlchen an noch kleineren Plastiktischchen. Mitten in der Stadt ein See, an dessen Ufer sich abends das Leben abspielt. Auch kulinarisch bleibt uns Hanoi in bester Erinnerung: Wir finden hier einen veritablen Vorgeschmack auf Japan im Sushi-Restaurant.

Tokyo, Japan
Die Megastadt lässt wohl niemanden kalt. Nach zwei Wochen haben auch wir unsere Lieblingsplätzchen gefunden: Am Hafen sitzen und zuschauen, wie die Lichter abends langsam angehen, im freakigen Koenji mit irgendwie noch abgefahreneren Japanern vor kleinen Kneipen sitzen, Sake trinkend und Häppchen knabbernd, im Kaiten-Sushi Teller um Teller aufstapeln und immer noch einen vorbeifahrende Leckerbissen schnappen, in einem der vielen Parks über Mittag ausspannen oder mit dem drolligen Tram fahren, in das fast nur alte Leute einsteigen, durch die Neonwelt von Shinjuku oder Akihabara spazieren und staunen. Irgendwie muss man dem gehetzten Alltag der Arbeitswelt entkommen, dann lässt es sich hier besonders gut leben.

Phnom Penh, Kambodscha
Eine typisch asiatische Stadt, eigentlich: Schöne Tempel, keine schönen Häuser. Die Strassen sind verstopft mit tausenden von Motorrädern, die Gehsteige voll von unzählbaren Marktständen. Laufen ist eine Qual bei der Hitze, bei den Abgasen. Und trotzdem gefällt es uns, vielleicht weil wir zwei Monate hier wohnen und Zeit haben, den Charme dieser Stadt auf unseren Velos zu entdecken. Wir treffen freundliche, interessierte und entspannte Kambodschaner, lieben den Mekong, schätzen die vielen bunten Märkte und speisen in leckeren Restaurants (zum Beispiel im Hagar). Der Abschied fällt entsprechend schwer.

Mawlamyine, Myanmar
Die alte Tempelstadt im Süden Myanmars ist ziemlich heruntergekommen, was auf uns sehr charmant wirkt. Zum Beispiel die alten Häuser im viktorianischen Stil, mit langen Balkonen und verschnörkelten Verzierungen, kurz vor dem Zusammenbruch. Oder die halb verfallenen Tempel auf den umliegenden Hügeln, durch welche die Strassenköter ziehen, ab und zu auch ein paar Mönche und wir. Die kleinen Gässchen voller Marktstände, an denen wir einfach alles ergattern könnten – zum Beispiel mit Pouletfleisch und indischen Gewürzen gefüllte Omlettes. Die grosse Moschee im Zentrum. Und die schöne Uferpromenade. Wenn da nur nicht überall dieser Abfall herumliegen würde.

Arequipa, Peru
Zu meinem Geburtstag gönnen wir uns Arequipa. Monumentale Bauten aus dem weissen Sillar-Stein vom nahen Vulkan Misti. Schöne Innenhöfe, Böden mit antiken, gemusterten Steinplatten. Wir übernachten in einem Palast, dem Casona Solar, wo das Zimmer so hoch ist, dass man kaum die Decke sieht. Und dazu wunderbares Essen, zum Beispiel Ceviche beim Casa de la Trucha, wo wir vom charmanten Raul (75) umsorgt werden. All das bei angenehmem Klima und einer Aussicht, die einen verstummen lässt: Arequipa liegt auf 2’300 Meter über Meer in einer Halbwüste. Gleich hinter der Stadt erheben sich drei Vulkane, die alle um die 6’000 Meter hoch sind – bedeckt mit einer wie Puderzucker anmutenden Schneedecke.

New York, USA
New York City sei nicht das richtige Amerika, versicherte man uns. Wohl möglich: Eine so hohe Diversität wie hier konnten wir selten beobachten. So viele verschiedene Quartiere, Ethnien, Milieus, Szenen. Und alle scheinen friedlich miteinander zu leben. In Coney Island spürt man das wie sonst kaum: Eine Oase am Stadtrand, wo Jung und Alt zusammenkommen, um Spass zu haben. Hier gibt es Techno, Hip Hop und Salsa, den Russenstrand, den Lunapark und Nathan’s Hot Dogs. Alles laut, wild und bunt. Alles friedlich, offen für alle und gratis bis ziemlich günstig. Dementsprechend gemischt auch das Publikum. Eine kleine Utopie vielleicht, aber hier fühlen wir uns wohl.

Medellín, Kolumbien
Medellín sei die Stadt des ewigen Frühlings, sagt man. Das alleine genügt schon fast, um sich einen Platz auf unserer Liste zu ergattern. Doch Medellín bietet mehr als Frühling: Eine interessante, raue Innenstadt, umgeben von traumhafter Natur, Museen, Cafés und eine bewegte Vergangenheit als Drogenhauptstadt der Welt. Heute lieben wir es, durch die verschiedenen Welten zu ziehen, welche die Quartiere Medellíns beinhalten – reich, arm, herausgeputzt oder rauh.

Zürich, Schweiz
Zürich ist ja kein Geheimtipp mehr, zu Recht. Auf der halben Welt sind wir nun herumgereist, aber keine Stadt hat uns bisher besser gefallen als Zürich. Was macht es aus? Die vielen Orte, an denen man einfach entspannt abhängen kann. Die Cafés und Bars. Die Sicherheit. Der verlässliche und rund um die Uhr bereite öffentliche Verkehr. Die Natur, die so nahe und so schön ist. Der See, in dem man ohne Bedenken baden kann. Kurz: Die Lebensqualität. Aber viel mehr noch die Leute – unsere Leute.

Hier geht’s zur zweiten Ausgabe unserer Stadtperlen.

6 Kommentare

  1. Quito, sagt Manny. Weil es beeindruckend ist. Banjos, auch Ecuador, wegen den Thermalquellen. Playa Zancudo in Costa Rica. Wegen Naturparks und Strand, sagt Anita.

    Danke für euren tollen und ehrlichen Beiträge, und dass ihr damit ein Stück Welt zu uns bringt. I like!

    1. Danke Anita!
      Ecuador kommt nächste Woche dran und Costa Rica dann im März. Euren Empfehlungen werden wir mit Freude nachgehen, Quito ist schon mal gesetzt.
      Liebe Grüsse aus Peru

  2. Unser honeymoon-bungallow, bei unseren Freunden Cindy und Thomas (Tikivillas, bei Uvita)-mit liebsten besitos von mir 😉 und puerto viejo-very nice! Das sind zwar keine Städte und trotzdem ein must 🙂 gniessets!

    1. Danke Laura,
      Tönt sehr gut, wir sind ja auch immer noch auf Honeymoon. Ist das beides in Costa Rica zu finden?
      Liebe Grüsse und alles Gute, Ariel

  3. liebe monica (unbekannterweise),lieber ariel,
    wir waren vor 2 jahren 4 wochen in costa rica mit unseren damals noch 2kindern (jetzt sinds 3;-)).wir haben eine der schönsten reisen gehabt in einem doch sehr vom amerikanischen Tourismus dominierten Land. Wir sind an der Pazifikküste Richtung Süden gefahren (vorbei auch an den anderen Empfehlungen hier).Besucht haben wir in der Nähe von Quepos eine Organisation “kids saving the rainforest” die betreiben ein Sanctuary für verletzte Tiere (totenkopfaffen,faultiere etc.)in der Nähe von Quepos.Man kann dort auch mit helfen. Dann sind wir bis auf die Peninsula de Osa gefahren und da liegt das ursprüngliche Costa Rica! Ein ganz ganz toller Ort ist die Tamandu lodge in einem Indianerreservat der Guaymi Indianer. In the middle of nowhere…Der perfekte Ort für Erholung und Erkundungen im Dschungel. Daniela ist schweizerin und mit einem Guaymi indianer verheiratet und seine Familie betreibt die Lodge. Es ist ein Traum!!!Auf der anderen Seite der Peninsula ist die Bahia Drake. aauch sehr sehr schön, da man wieder am Meer ist. dort waren wir in der wahnsinnig freundlichen Unterkunft “jademar”. Sie haben uns auch eine Walbeobachtungstour angeboten-im kleinen Boot…Haben tatsächlich eine Buckelwalfamilie beobachten können was ein wahnsinns erlebnis war!…
    Der Norden von CR mit Monteverde etc ist mega touristisch und voll…Nachdem wir im Süden waren,waren wir dort und leider echt enttäuscht.
    Auf weiterhin tolle Berichte von Euch!
    Liebe Grüße,
    Odilia

    1. liebe odilia
      danke für die vielen tipps. die werden wir sehr gerne berücksichtigen. diese peninsula de osa tönt ja wirklich spannend… wünsche euch einen schönen rest vom winter und dann baldigen frühling.
      liebe grüsse, ariel

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